Interview mit David von Ballmoos



David von Ballmoos im Tor der Young Boys

Die Webseite go4mechanic.ch ist Teil der Nachwuchskampagne des Agrotec Suisse für Landmaschinen-, Baumaschinen- und Motorgerätemechaniker. Porträts von begeisterten Berufsleuten, welche neben ihrer Arbeit eine positive Ausstrahlung für die Gesellschaft aufweisen, sollen Jugendliche zum Erlernen unserer Berufe animieren. Aktuell wird der Landmaschinenmechaniker und Fussballer David von Ballmoos vorgestellt.

Goalie des Dreamteams der Challenge League 2015, der Durchbruch beim Spitzenklub BSC Young Boys in der Saison 2017/2018 - der 22-jährige David von Ballmoos hat schon viele sportliche Erfolge gefeiert. Nach einer Verletzungspause musste er im Herbst 2014 rund 5 Monate pausieren. In der Saison 2015/2016 konnte er sich aber beim Challenge League-Vertreter Winterthur als Profi-Fussballer durchsetzen.

Freude an der Technik
Aufgewachsen ist David von Ballmoos auf der Lueg im Emmental. Im Frühling 2014 hat er die Lehre als Landmaschinenmechaniker EFZ abgeschlossen, als Fussballer ist er auf dem besten Weg, ein ganz grosser zu werden. Die Leidenschaft für Landmaschinen wurde David in die Wiege gelegt – seine Eltern führen einen abgelegenen Bauernhof im Emmental. David sass bereits als Knirps am Steuer der schweren Geräte und half auf dem Betrieb bei landwirtschaftlichen- und unterschiedlichen Reparaturarbeiten mit. Die Freude an der Technik blieb und er war sich bereits in der 7. Klasse sicher, dass er den Beruf des Landmaschinenmechanikers erlernen will. Bei der Firma Hess Durs GmbH Garage und Landmaschinen im nahen Burgdorf durfte David zur Schnupperlehre antreten. Der Entscheid fiel rasch und er hatte den Lehrvertrag im Sack. Die Lehre absolvierte er zur vollsten Zufriedenheit seines Ausbildners. Noch heute ist David seinem Berufsbildner enorm dankbar, musste er doch pünktlich jeden Abend zum Training in Bern erscheinen.

Faszination Fussball
Neben Davids Freude an den Landmaschinen ist diejenige am Fussball der wichtigste Bestandteil in seinem Leben. „Mich fasziniert das Spiel, welches nicht planbar und stets neue Situationen bringt sehr“, betont David und ergänzt, „auch in der Gesellschaft der Fussballer, Trainer und Fans fühle ich mich äusserst wohl“. Bereits als kleiner Junge jagte er -zuerst als Verteidiger- beim Koppiger SV dem runden Leder nach. Später wurde er dank seiner körperlichen Grösse zum Goalie und bereits 2007 wechselte er in die Juniorenabteilung des Spitzenklubs YB. Obwohl er mit Talent gesegnet ist, hiess es hart trainieren. Die Eltern trugen ihren Teil dazu bei. Sie förderten ihren Sohn so gut wie es ging. David betont: „Ich wollte nicht, dass meine Eltern an jedem Training und Spiel dabei sein mussten“, erklärt er und fügt hinzu, „ich wurde jeweils zum Bahnhof geführt und reiste von da mit dem Zug ins Training“. Im Sport wie im sonstigen Leben gab es allerdings ausser Siege und Höhepunkte auch Niederlagen und Tiefschläge. Im Herbst 2014 verletzte sich David schwer an der Schulter. Für seine Profikarriere war dieser Zeitraum enorm wichtig, da sein Verein beabsichtigte, ihn an eine andere Profiorganisation auszuleihen. Mit dem Sprung in den Kader des FC Winterthur klappte dies dank der Willensstärke von David dennoch und er konnte sich bereits in der ersten Saison als Nummer 1 im Tor durchsetzen.

Ehrgeizige Ziele und Träume
Die Erfahrungen aus dem Sport helfen auch im Leben neben dem Sport: „Ich empfehle jedem jungen Talent eine Lehre zu machen. So steht in jedem Fall eine Türe offen, falls es mit dem Spitzensport nicht klappen würde“. Motivation und Freude übertrugen sich vom Lehrbetrieb zum Sport und umgekehrt. Mit seinem ehemaligen Arbeitgeber steht er weiterhin im besten Einverständnis. Noch heute tauscht er mit seinen ehemaligen Berufsschulkollegen Erfahrungen aus, wenn es darum geht, das kleine private Projekt – ein Pullingtraktor – zum Laufen zu bringen.

Wicki Joel, Baumaschinenmechaniker und Schwinger



Joel Wicki – Baumaschinenmechaniker und Schwinger

Nachwuchsschwinger des Jahres 2014 und 2015, Kranzfestsieg am Schwarzsee-Schwinget 2015 – der 19-jährige Joel Wicki hat schon viele sportliche Erfolge gefeiert. Nach einer Verletzungspause ist er jetzt wieder fit. Die Arbeit als Baumaschinenmechaniker unterbricht er vorübergehend, um die Spitzensport-RS zu absolvieren.

Aufgewachsen ist Joel Wicki im Südelmoos, etwas ausserhalb von Sörenberg. Die Landschaft der Voralpen und die traditionsbewusste Familie haben sein Leben geprägt. Im Frühling hat er die Lehre als Baumaschinenmechaniker EFZ abgeschlossen, als Schwinger ist er auf dem besten Weg, ein ganz Böser zu werden und in der raren Freizeit pirscht er durch die Wälder. Die Leidenschaft für schwere Maschinen wurde Joel Wicki in die Wiege gelegt – sein Vater fährt im Winter Pistenmaschinen im örtlichen Skigebiet und im Sommer Baumaschinen. Da dauerte es nicht lange und Joel sass bereits als Knirps am Steuer. Die Freude an der Technik blieb und er durfte bei der Firma ARAG Bau AG im benachbarten Hasle zur Schnupperlehre antreten. Der Entscheid fiel rasch und er hatte den Lehrvertrag im Sack. Bis es soweit war, arbeitete er in den Schulferien beim zukünftigen Lehrbetrieb und lernte die Arbeitsabläufe bereits kennen. Die Lehre absolvierte er zur vollsten Zufriedenheit seines Ausbildners und es war klar, dass er nach der Abschlussprüfung im Betrieb blieb.

Faszination Schwingen

Noch grösser als die Freude an den Baumaschinen ist diejenige am Schwingen. Auch das liegt bei Joel in den Genen – sein älterer Bruder machte es ihm vor, und ab etwa fünf Jahren stieg er ins Sägemehl. Im Schwingclub Entlebuch war er gut aufgehoben und schon bald wurde klar, dass er als Schwinger eine vielversprechende Zukunft hatte. Doch obwohl er mit Talent gesegnet ist, hiess es hart trainieren. Die Kollegen wunderten sich dann und wann, wie er Arbeit und Sport bewältigte – er liess es sich einfach nicht anmerken, wenn er zwar spätabends nach dem Training halb tot ins Bett gefallen war und am nächsten Morgen wieder pünktlich im Betrieb stand. Dafür, so meint er, sei es bisher in seinem Leben noch nie vorgekommen, dass er nicht gewusst hätte, was er tun will. Auch die Eltern trugen ihren Teil dazu bei und statt irgendwohin in die Ferien zu verreisen, investierten sie lieber in den Sport, erinnert sich Joel. So amteten sie Wochenende für Wochenende als Chauffeur, Verpfleger und Betreuer an den Wettkämpfen.

Sieg und Niederlage, Höhen und Tiefen

Früh erreichte Joel seine ersten sportlichen Erfolge. Zu den Kränzen und Siegen kamen wichtige Auszeichnungen dazu: Luzerner Sportler des Jahres 2014, Nachwuchsschwinger des Jahres 2014 und 2015. Mit Stolz zeigt er auf seiner Webseite ein Foto, auf dem er den Schwingerkönig Nöldi Forrer bodigt. Der schönste Moment bisher war der Festsieg am Bergkranzfest Schwarzsee. Joel ist einer der jüngsten Schwinger, dem das gelang. «Wenn du einen solchen Wettkampf gewinnst, dann weisst du, du hast alles richtig gemacht. Dann ist die Freude einfach riesengross.» Im Sport wie im sonstigen Leben gibt es ausser Siegen und Höhepunkten auch Niederlagen und Tiefschläge. Kurz vor der Lehrabschlussprüfung erkrankte der Vater schwer. Und am 14. August 2016 schlug das Schicksal bei Joel zu: Am Schwägalpschwinget erlitt er einen Wadenbeinbruch. Er verpasste das Eidgenössische Schwingfest und den letzten Bergkranz des Jahres. Der Vater ist wieder genesen und das Wadenbein verheilt. Joel arbeitet und trainiert wieder normal und zur Entspannung gehen die beiden gemeinsam in den Entlebucher Wäldern und Bergen auf die Jagd. Auch beim Fischen findet er Erholung und die Gelegenheit, die Gedanken zu ordnen.

Ehrgeizige Ziele und Träume

Die Erfahrungen aus dem Sport helfen auch bei der Arbeit. Motivation und Freude übertragen sich vom einen auf das andere. Mit seinem Arbeitgeber steht er im besten Einverständnis – wenn es sein muss, kann er einmal im Betrieb fehlen, das holt er dann bei Arbeitsspitzen mit Abend- und Wochenendeinsätzen wieder auf. «Man arbeitet gerne etwas mehr, wenn es allen nützt – es ist ein Geben und Nehmen, so passt es für alle.» Vorübergehend aber verlässt er den Betrieb. Am 31. Oktober 2016 rückte er in Magglingen in die Spitzensport-RS ein. Das wird ihm sicher beim Aufbautraining für die nächste Saison helfen. Sportliche Ziele hat sich Joel gesetzt: ein Eidgenössischer Kranz wäre ein weiterer Höhepunkt in der Karriere. Und sein Lebenstraum ist konsequenterweise, einmal Schwingerkönig zu werden. «Trotz meinem enormen Ehrgeiz bleibe ich realistisch und weiss, dass ich nur durch konsequentes Training, gute Gesundheit und mit der Unterstützung meiner ­Trainer, der Familie und der Sponsoren meine Ziele erreichen werde.» Das nächste «Eidgenössische» ist 2019 in Zug – wir drücken die Daumen.

Zur Person
Name: Joel Wicki
Wohnort: Sörenberg
Beruf: Baumaschinenmechaniker
Geburtsdatum: 20. Februar 1997
Grösse: 183 cm
Gewicht: 104 kg
Hobbys: Fischen und Jagen, Freunde und Schwingen

Lukas und Mathias Flückiger




Solide Ausbildung als Sprungbrett für die Sportlerkarriere
Die Brüder Lukas und Mathias Flückiger haben an der Cross-Country-WM in Saalfelden im September Silber und Bronze gewonnen. Sie verbindet nicht nur die Leidenschaft zum Mountainbiken. Bevor sie auf die Karte Spitzensport gesetzt hatten, schlossen sie bei der Agrotec Suisse eine Ausbildung in der Landtechnik ab.

Dass es im Spitzensport erfolgreiche Brüder in derselben Sportart gibt, kommt zwar vor, ist aber eher selten der Fall. Noch aussergewöhnlicher ist es, wenn zwei Brüder nicht nur in der gleichen Sportart erfolgreich sind, sondern auch noch fast dieselbe berufliche Ausbildung absolviert haben. Lukas Flückiger (Landmaschinenmechaniker) und Mathias Flückiger (Baumaschinenmechaniker) bilden als Brüderpaar in der Schweiz ein Bild mit Seltenheitswert.

Dass Lukas Flückiger die Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker absolviert hat, ist kein Zufall. “Da ich auf einem Bauernhof aufgewachsen bin, kam ich schon früh mit Landmaschinen in Kontakt. Mich haben aber nicht nur die Maschinen interessiert.“ Der Beruf des Landmaschinenmechanikers sei sehr vielseitig. „Am meisten hat mich fasziniert, mit Elektronik, Motoren und Metall zu arbeiten.“ Ob Lukas nach seiner sportlichen Karriere in seinen gelernten Beruf zurückkehren wird, ist noch offen. „Ich bin nun 28 Jahre alt. Wenn alles gut geht, kann ich maximal noch zehn Jahre auf diesem Niveau Mountainbike fahren. “Es wäre allerdings nicht so einfach, wieder als Landmaschinenmechaniker zu arbeiten. Denn schliesslich würden mir viele Jahre Berufserfahrung fehlen und der Beruf entwickelt sich ja auch weiter.“

„Ausbildung gibt mir Sicherheit“
Auf jeden Fall ist Lukas (der heute als Beruf Mountainbiker ist) froh, die Ausbildung als Landmaschinenmechaniker abgeschlossen zu haben. „Diese gibt mir eine gewisse Sicherheit, denn im Spitzensport ist immer vieles ungewiss. Dass ich in der vierjährigen Ausbildung trotz dem Arbeiten im Lehrbetrieb (Herrmann und Zulliger AG, Oeschenbach) und den Schulaufgaben noch trainieren und an den Wochenenden Wettkämpfe bestreiten konnte, war eine grosse Herausforderung“, sagt Lukas. In den vier Jahren habe sein Leben aus arbeiten, Aufgaben machen, trainieren, schlafen und essen bestanden. „Ich bereue nichts, denn es war eine wichtige Erfahrung, die mich noch stärker machte.“ Dank dem Entgegenkommen seines Lehrbetriebs konnte er überhaupt alles unter einen Hut bringen. „Manchmal fehlte ich ein paar Tage oder Stunden im Betrieb, da der Wettkampfkalender keine anderen Möglichkeiten bot.“ Was empfiehlt er Lernenden, die neben der Ausbildung auch noch Spitzensport betreiben? “Grundsätzlich muss man sowohl am Arbeitsplatz als auch im Sport grossen Spass haben, sonst kann man nicht in beiden Bereichen sehr gute Leistungen erbringen.“ Schliesslich dürfe man nicht vergessen, dass diese Doppelbelastung begrenzt sei. „In ein paar Jahren geht das alles vorüber.“ 

Wie sein Bruder Lukas gehört auch Mathias Flückiger zu den weltbesten Mountainbikern der Welt. Bevor er auf die Karte Spitzensport setzte (sein Beruf ist inzwischen Mountainbiker), hatte er seine Ausbildung zum Baumaschinenmechaniker absolviert (Ammann Schweiz AG in Langenthal). „Ohne dieses berufliche Fundament, würde ich im Leben ein Risiko eingehen“, erklärt der Berner. Immer wieder liest man von Jugendlichen, die nach der obligatorischen Schulzeit keine Ausbildung absolvieren, sondern den Fokus voll auf den Spitzensport richten. Viele laufen Gefahr, einmal ohne Ausbildung da zu stehen, wenn es mit dem Durchbruch an die Spitze nicht gelingt. Für Mathias war schon als Schüler klar, dass er eine Ausbildung absolvieren wird. „Das Blatt im Spitzensport könne sich schnell wenden, sagt er. Sei es aufgrund einer Verletzung oder wegen mangelnden Leistungen.

„Langeweile ist nie aufgekommen“
Mathias interessierte sich schon als Kind für die Landtechnik, schliesslich ist er auf einem Bauernhof aufgewachsen. „Ich kam schon früh in Kontakt mit der Technik und den Maschinen. Zudem war mein Vater selbst Mechaniker und hat mir seine Leidenschaft für diesen Beruf weitergegeben.“ Deshalb war es auch naheliegend, dass er einen Beruf in dieser Richtung erlernt hatte. Baumaschinenmechaniker habe er ausgewählt, „weil diese Lehre sehr vielseitig ist und das Arbeiten an den verschiedenen Maschinen eine spannende Herausforderung darstellt. “Langeweile sei nie aufgekommen, so der in Ochlenberg wohnhafte Mountainbiker. Was er nach seiner Karriere machen werde, ist noch offen. Eine Rückkehr in seinen gelernten Beruf als Baumaschinenmechaniker ist durchaus möglich. Vielleicht mit einer Medaille von den Olympischen Spielen 2016 in Rio in der Tasche. Denn wie sein Bruder Lukas ist für Mathias eine olympische Medaille ein grosser Traum.

Zur Person
Name: Lukas Flückiger 
Wohnort: Leimiswil
Beruf: Mountainbiker (abgeschlossene Ausbildung als Landmaschinenmechaniker).
Geburtsdatum: 31.01.84 
Team: TREK WORLD RACING
Hobbys: Skitouren, Freeride, Haus und Umgebung, Bikewerkstatt, Freunde, Familie
Grösste sportliche Erfolge: 2. Platz Weltmeisterschaft 2012 Mountainbike, 2. Platz Weltcup 2012, 2. Platz BMC Racing Cup Overall, Schweizer Meister Radquer 2010

Zur Person
Name: Mathias Flückiger
Wohnort: Ochlenberg
Beruf: Mountainbiker (abgeschlossene Ausbildung als Baumaschinenmechaniker)
Geburtsdatum: 27.9.1988
Team: TREK WORLD RACING
Hobbys: Freeride, Maschinen, Technik im Allgemeinen und Streckenbau
Grösste sportliche Erfolge: Junioren Weltmeister MTB 2006, U23 Weltmeister 2010, 
3. Rang Weltmeisterschaften Elite MTB 2012

Portraits Archiv

 
News

AM Suisse
Samuel Kocher
Projektleiter Berufsbildung
Chräjeninsel 2
3270 Aarberg

Tel. 032 391 99 44
Fax 032 391 99 43
s.kocher@amsuisse.ch